Stadtarchiv Althofen

Stadtarchiv Althofen am Salzburger Platz

Buchveröffentlichung 
Matucaium 2

 

Ende Mai 2025 veröffentlichten wir das zweite Buch der Reihe „Matucaium – Beiträge des Stadtarchivs Althofen zur Geschichte Althofens“, das auf 212 Seiten 24 Artikel zur Geschichte Althofens beinhaltet. Das beim Verlag Ploder erschienene Buch ist für 25 Euro bei Buch-Papier-Basteln-Spielwaren Schöffmann in der Kreuzstraße 24, 9330 Althofen oder bei Günther Jannach unter gjannach@edu.aau.at.  

Buchreihe Matucaium

Ausgewählte Archivalien und kleine Beiträge

Das Stadtarchiv Althofen bewahrt unter anderem den Nachlass der Althofener Volksschullehrerin und Heimatforscherin Elfriede Amberger (1905 – 1985). Darunter befinden sich acht undatierte, maschinengeschriebene Blätter, die mit „Sagengut“ betitelt sind, und die über ein Dutzend Sagen aus Althofen überliefern. Am Ende des Textes führte Amberger aus, woher die Sagen stammten: „Einige der vorerzählten Sagen stammen aus dem Munde meiner Großmutter1“ und seien „zum Teile“ bei Georg Grabers (1882 – 1957)1a Sagensammlung von 19352 veröffentlicht worden; „andere Sagen habe ich aus dem Gedächtnis nacherzählt“.3 Ambergers Sagen zusammenfassend nachzuerzählen, mit Anmerkungen zu versehen und mit Grabers publizierter Fassung zu vergleichen, ist das Thema dieses Artikels.

 


Blick auf den sagenumwobenen Burgberg. [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Digitales Archiv, Slg. R. Pichler. Datierung: Das Bild wurde vor den 1950ern aufgenommen, da Aicherweg 7 am Bild noch nicht zu sehen ist, auf den KAGIS Luftbildern aus den 1950ern aber schon.]

 

Georg Grabers Sagen aus Althofen

 

Sagen aus Althofen sind einem breiteren Publikum wohl nur aus Georg Grabers Sagensammlung „Sagen und Märchen aus Kärnten“ bekannt. Die 1935 erstmals publizierten  und 1979 letztmalig aufgelegten Sagen wurden durch „fast ausschließlich dem Kärntner Lehrerstande“ Angehörende gesammelt, wie Graber in seinem Nachwort festhielt.4 Dass für Graber so viele Lehrerinnen und Lehrer über 500 Sagen aus der mündlichen Überlieferung aufzeichneten, lag daran, dass Graber über ein großes Netzwerk in der Lehrerschaft verfügte. Denn der Germanistik und Philologe Graber arbeitete zwischen 1909 und 1926 an der Klagenfurter Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt und war anschließend bis 1940 Landesschulinspektor für sowohl diese Anstalt als auch die Kärntner Pflichtschulen.5

 

Neben dieser Tätigkeit veröffentlichte Graber wissenschaftliche Arbeiten, wobei, wie der Historiker Hermann Braumüller (1886 – 1977) zu Grabers 60. Geburtstag festhielt, es seine Leistung war, „dass er die Kärntner Volkskunde weg von der gefühlsmäßigen, unkritischen Einstellung zur streng wissenschaftlichen Forschung führte“.6 Heute noch sei Graber, wie 2017 der Volkskundler Günther Biermann (*1936) festhielt, „ein nicht nur in der Fachwelt der Volkskundler und Philologen bekannte[r] Forscher“, sondern „allen an der Kärntner Volkskunde Interessierten […] ein Begriff“, unter anderem aufgrund seiner Sammlungen der „Kärntner Sagen und Märchen“.7

 

Hinsichtlich der Wiedergabe von Sagen war Grabers volkskundliche Methode laut eigenen Angaben, am „Ton volkstümlicher Erzählung […] nach Möglichkeit“ festzuhalten, und „die Sage, wie sie im Volksmunde lebt, […] ohne sentimentale oder romantische Zutaten“ zu Wort kommen zu lassen.8 Diesem „Grundsatz der Wahrhaftigkeit“, so Graber weiter, folge er auch bei „bereits literarisch festgelegt[en] und anderwärts veröffentlicht[en]“ Sagen und bringe in seinem Buch daher die Sagen „in die schlichte Ausdrucksweise der Volkssage“ zurück, und ergänze und berichtige „ihren Inhalt und ihre Form nach der lebenden Volksüberlieferung“.9

 

Was Graber umformulierte, ergänzte oder berichtigte, gab er in seinen Sagenbüchern nicht bekannt. Dies stellt bei gedruckten Quellen aber kein Problem dar, da man Original und Grabers Version vergleichen kann; umso mehr, da Graber seine Quellen im Buch bekanntgab. Aber Graber setzte seine Methode, Sagen umzuformulieren, zu ergänzen und zu berichtigen, auch bei ungedruckten Quellen ein, also jenen Berichten, die ihm die Kärntner Lehrerschaft einsandte. Das erkennt man daran, dass Graber alle Sagen, die auf Amberger beruhen, in diese aus seiner Sicht „schlichte Ausdrucksweise der Volkssage“ zurücksetzte, worunter er offensichtlich vor allem den Einsatz der direkten Rede verstand.

 

Ergänzend griff Graber in die Sage vom Moserbauern ein. Denn diesem entglitt nun nicht, wie bei Amberger, die Stange einer Harpfe beim Aufbau derselben, sondern, ohne dass Graber einen Grund dafür angab, der Eisenstecken, mit dem das Loch gebohrt wird, in das anschließend die Stange gesteckt wird.10

 

Wird man in diesen Fällen noch einwenden können, dass sich durch Grabers Eingreifen der Inhalt der Sage nicht änderte, triff dies bei der Sage des jungen Fassbinders am Burgberg nicht mehr zu. Das zentrale Sagenmotiv, das bei Amberger überliefert ist, nämlich dass die verwunschene Schlossfrau durch das falsche Verhalten des Fassbinderjungen nicht erlöst wird, fehlt bei Graber vollständig.11

 

Hinsichtlich der Sagenwelt Althofens wird Graber also seinem eigenen Anspruch, die Sage so wiederzugeben, „wie sie im Volksmunde lebt“, nicht gerecht. Eher folgt er dem Phänomen, das er selbst für die Überlieferung von Sagen feststellte: „Jeder Erzähler gibt der Sage neue Gestalt“.12

 

Ambergers Sagen aus Althofen

 

Zwei Sagen aus Untermarkt

 

Der heutige Stadtteil Untermarkt ist des ehemalige Althofen, bevor der Markt 1307 von dort auf den heutigen Oberen Markt verlegt wurde. Neben Untermarkt ist auch Alter Markt als Bezeichnung für den Ort belegt.

 

Früher erzählten die alten Leute „vom einstigen Untergang des alten Marktes, dessen Kirchturmspitze man an schönen Sommertagen noch in einen Tümpel im Untermarker Moos sehen könne“.13

 

In Untermarkt liegt im Anschluss an die Kirche der Friedhof von Althofen. „Vor vielen Jahren“ putzte eine alte Frau „im Hofe eines Alten-Markter Hauses“ Rüben. Da am nächsten Tag ein Feiertag war, arbeitete die Frau bis spät in die Nacht. Als die Turmuhr zwölf Uhr schlug, blickte die Frau auf „und sah auf der Straße eine hohe Gestalt im wallenden weißen Kleide vorbeiwandeln. Ein Stoßgebet auf den Lippen putzte das Weib weiter, blickte aber laufend zur Straße. Da, auf einmal war der Spuk wieder da. Nun fasste die Frau ein Grausen an“, sie lief ins Haus und versperrte die Tür. „Da schlug es ein Uhr vom Turme und der Geist war verschwunden“.14

 

Graber veröffentlichte nur die Sage der rübenputzenden Frau, die Amberger mit „Der wandelnde Geist“ betitelte, mit der Überschrift „Am Feierabend“, wobei bei ihm die Frau aber in die Nacht hineinarbeitete, „da es unsicher war, ob nicht am nächsten Morgen Frost einträte“. Außerdem kam bei Graber zur Frau „eine in weißes Linnen gehüllte Gestalt vom Friedhof hergeschritten“.15

 

Eine Sage aus dem Oberen Markt

 

Einst machte eine Frau „im Hause unter dem Bezirksgericht im Oberen Markte“ die Wäsche und trug sie zum Trocknen auf den Dachboden. Dort entdeckte sie eine alte Truhe „voll goldgelben Weizens. Spielend fuhr sie mit der Hand durch die goldene Frucht und steckte etwas davon in ihre Schürzentasche“. Als sie den Dachboden wieder verließ, hatte sich der Weizen in Gold verwandelt. Schnell eilte sie zurück auf den Dachboden, doch die Truhe war verschwunden.16

 

Jenes von Amberger erwähnte Haus ist das heute „Gotisches Haus“ genannte Gebäude Burgstraße 5.

 

Sagen aus Rain

 

„Beim Moser am Ran / is der Teufel daham“. So neckten einst die Schulkinder jene Mitschülerinnen und -schüler, die „vom Moser [Rain 10, Anm. d. Verf.] herein zur Schule“ kamen. Denn es soll „vor vielen Jahren eine Besitzerin dieses schönen Anwesens mit dem Teufel im Bunde gewesen sein“, wovon folgende drei Sagen berichten:

  1. Einmal beobachtete ein Knecht heimlich die Bäuerin bei ihrem Treiben mit dem Teufel. Da sah er, wie „er der Bäuerin Kaßnudel kochen half“.17
  2. Einst fragte die Funderin am Dürnfeld um Milch bei der Moserin, da sie wegen der Getreideernte „viele Tagwerker zu verköstigen habe“. Die Moserin „ging mit einem Melkeimer hinter ihren Stall, stellte den Kübel unter einen Holzstock […], setzte sich dazu, rief „Schatza“, und schon floss die Milch in den Eimer. Als der Strom versiegte, rief sie „Raungga“ und wieder floss die Milch. Dies wiederholte sich noch mit dem Ausrufen von „Liesa“ und „Ramla“, sodass der Eimer schließlich voll war. Am Abend wollte der Nachbar in Krasta seine Kühe melken, aber weder die Schatza, noch die Raungga, noch die Liesa, noch die Ramla gaben an diesem Abend Milch.18
  3. Als es mit der Moserin zu Ende ging, rief man den Pfarrer, doch fand dieser, als er die geweihten Hostien holen wollte, „das Tabernakel in der Kirche nicht“. Als die Moserin beichten wollte, wuchsen plötzlich ihre Zähne „und wurden so lange, dass sie den Mund aufspreizten und die Moserin nicht mehr reden konnte“. So starb die Bäuerin ohne den Empfang der Sterbesakramente und „gleich nach dem Tode wurde ihr Leichnam ganz schwarz“. Viele Leute kamen zu ihrem Begräbnis, „weil es so Sitte war, aber auch aus bloßer Neugierde“. Die Leichenträger führten den Sarg vom Moser zum Friedhof in Untermarkt. Doch als sie beim Wegkreuz [Kreisverkehr beim Tilly-Werk, Anm. d. Verfassers] vorbeikamen, sprang eine schwarze Katze über den Sarg und die Träger merkten, wie der Sarg leichter wurde. Nachdem die letzten das Begräbnis verlassen hatten, packte die Sargträger die Neugier, und sie öffneten den Sarg. „Doch dieser war leer. Die Moserin hatte der Teufel geholt“.19

 

Die drei Sagen finden sich, von Graber leicht überarbeitet, unter dem Titel „Die Moserin am Roan“ in Grabers Sagensammlung.20

Der heutige Vulgarname Moser für den Hof in Rain geht auf den 1684 in den Steuerakten von Althofen genannten „Friedrich Moßer [1653 – 1725]21 am Rain“ zurück, der zwischen 1673 und 1684 in den Besitz des Hofes kam.22

Hexerei als Straftatbestand wurde in Althofen zwischen 1631 und 1772 staatlich verfolgt, wobei in mindestens 22 Prozessen wenigstens drei Frauen und neun Männer das Leben verloren, wie der Historiker Jerzy Gaul (*1948) darlegte.23

 

Über den Moserbauer am Rain wurde folgendes erzählt. Die Heidenstadt Sala erstreckte sich einst von Maria Saal bis Althofen. „Die Stadt ist längst versunken, und nur Hohlräume unter der Erde“ zeugen noch von ihr. „Dem Moserbauern rutschte einmal eine Kleestange [Stange eines Kleehiefls, Anm. d. Verf.], die er gerade setzen wollte, in die Tiefe. Er grub nach“. Die Stange fand er nicht, aber „tief in der Erde […] eine Kupferwanne und ein Schaff voll frischen Sauerkrautes“.24

 

Die Sage wurde in Grabers Sagensammlung stark ergänzt, inhaltlich aber nicht geändert.25

Die Bezeichnung Sala für Virunum geht auf Johannes Prunner (1654-1719), den „wichtigste[n] Altertumsforscher in Kärnten“ in der Barockzeit, zurück, der 1691 die Ruinen am Zollfeld „aufgrund des benachbarten Ortes Maria Saal“, und weil eine antike Straßenkarte den Römerstadtnamen Sala bezeugt, als Sala identifizierte, wie der Archäologe Franz Glaser (*1950) darlegte.26 Die Erkenntnis, dass es sich bei den Ruinen am Zollfeld um Virunum handelte, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt, setzte „sich aber erst im 19. Jahrhunderts endgültig“ durch, so Glaser weiter. Die Sage des Moserbauern, der in die Stadt Sala hinabsteigt, wird also wohl erst nach 1691 entstanden sein.

 

Sagen vom Burgberg

 

Der Althofener Burgberg ist die Erhebung gegenüber von Rabenstein, leicht erkennbar am hochragenden Sendemast, auf dem sich die Ruinen der alten Burg Pöckstein befinden.27 Die Burg errichtete der Gurker Bischof Roman zwischen den Jahren 1131 und 1167.28 Wann sie zu Ruinen zerfiel, ist nicht bekannt, allerdings wurden die Reste der zu diesem Zeitpunkt schon verfallenen Burg für die Errichtung des 1780 fertiggestellten Schloss Pöckstein verwendet,29 weshalb heute nur noch eine in den Stein gehauene Treppe von der Burg zeugt.

 

Einst fuhren zwei Ungarn auf ihrem Weg von Althofen nach Neumarkt in einer Kutsche abends am Burgberg vorbei und sahen dort ein „wunderschönes, hellerleuchtetes Schloss“, und eine „alleeartige, gepflegte Auffahrt“ führte zum Schloss. Schon wollten die Pferde den Weg zum Schloss einschlagen, doch der Kutscher „hieb auf die Pferde ein, damit sie ja rasch am Spuk vorbeikamen“. Als die Ungarn am nächsten Tag auf der Rückfahrt das Schloss nicht mehr sahen, fragten sie den Kutscher, wo das Schloss geblieben sei. Der Kutscher erzählte, das Schloss am Burgberg sei ein verwunschenes Schloss.30

 

Vor gut 200 Jahren sahen einige Kinder aus Gasteige am Burgberg „ein großes schwarzes Tor“, und „mitten im Tor stand ein großer Mann in schwarzer, enganliegender Kleidung, mit gespreizten Beinen und in die Hüften gestützten Armen“. Als sich einige von ihnen der Erscheinung näherten, verschwand sie, obwohl die Zurückgebliebenen die Erscheinung von der Weite weiterhin sahen.31

 

Einst brachte eine alte Althofenerin täglich frische Semmeln von Althofen nach Zwischenwässern, um sie dort zu verkaufen. Dabei begegnete ihr am Fuße des Burgbergs einmal „eine hohe Frauengestalt in Kleidern, wie sie vor vielen, vielen Jahren von Frauen getragen wurde“. Die Fremde fragte, was sie denn mitführe, und als die alte Frau antwortete, „Semmeln“, kaufte sie diese, ohne sie zählen. Zudem beauftragte sie die alte Frau, am nächste noch mehr Semmeln zu bringen, auch die wolle sie kaufen. So brachte die Frau nun Tag für Tag immer ihre Semmeln zum Burgberg. Nach einiger Zeit fragte der Bäcker die alte Frau, wofür sie so viele Semmeln bräuchte. Sie erzählte von der Frau am Burgberg. Der Bäcker wurde nun von Habgier gepackt und lud am nächsten Morgen seinen Pferdewagen voll mit Semmeln und fuhr zum Burgberg. Doch die Fremde fand er nicht, und sie wurde auch nie wieder gesehen.32

 

Einst schnitt der Sohn eines Fassbinders aus Gasteige am Burgberg „Haselstäbe für Fassreifen“. Da begegnete er einer Frau, gekleidet „in schwere Seide“, die „am Gürtel einen Bund großer Schlüssel“ trug. Die Fremde fragte den Burschen, ob er ihr nicht „einige Fässer in ihrem Schloss mit Reifen“ versehen könne. Der Bursche verneinte, da ihm das Werkzeug fehlte, doch ließ er sich überreden, zumindest Maß zu nehmen. Nun schloss die Frau eine Tür im Felsen auf, die der Bursche noch nie zuvor gesehen hatte. Das Tor führte in einen „großen Saal, an dessen Wänden unzählige, mit blanken Goldstücken gefüllte Fässer standen“. Die Fremde gab dem Jungen nun eine Schnur, dass er Maß nehmen können. Dafür durfte er nun so viele Goldstücke, wie er tragen konnte, mitnehmen. Da stopfte der Bursche seine Taschen voll und füllte auch noch sein Halstuch mit Gold. Auf die Frage der Frau, warum er nicht noch mehr nehme, meinte der Junge „treuherzig“, er wolle von zu Hause schnell Säcke und einen Karren holen. „Da nickte die schöne Frau traurig“. Als der Bursche bei seinem Vater ankam, zeigte er diesem das Gold, und beide brachen mit dem Karren und vielen Säcken zum Burgberg auf. Dort aber konnten sie das Tor nicht mehr finden. „Wohl aber hörten Vater und Sohn ein verzweifeltes Weinen aus dem Berge. Die arme verwunschene Schlossfrau muss weiter auf ihren Erlöser warten“.33

 

Vom Schloss Pöckstein soll unter der Bundesstraße ein geheimer Gang zum Burgberg führen. Sieben Männer wollten diesen Gang einst ergründen, aber nur einer wagte sich hinein. Er ließ sich ein langes Seil um den Bauch binden, nahm eine Laterne in die eine und eine Glocke in die andere Hand. Mit dieser wollte er läuten, so Gefahr drohe, auf dass ihn die anderen aus dem Gang herausziehen wollten. So ging er los. Als die anderen nach einiger Zeit von ihm nichts hörten, packte sie der Graus, und sie zogen das Seil heraus. Doch das Ende war leer, und „der Vorwitzige kehrte nie mehr aus dem Burgberge zurück“.34

 

Von den fünf Burgbergsagen, die Ambergers Text überliefert,35 veröffentlichte Graber vier unter dem Titel „Geschichten vom Burgberg“.36 Die Geschichte des Fassbindersohnes änderte er allerdings dahingehend, dass er die Darstellung der „verwunschene Frau“ aus der Sage strich.

 

Zwei Sagen vom Muraniberg

 


Materl am Tanzergraben am Muraniberg (2026). [Quelle: Stadtarchiv Althofen.]

 

Hinter der Kalvarienbergkapelle steht ein Wegkreuz, bei dem sich drei Wege gabeln: Rechts geht die Asphaltstraße Richtung vulgo Hubmann (Guttaringberg 26), mittig zum vulgo Scheurer (Muraniberg 3), und links geht ein alter Weg zum vulgo Steiner (Muraniberg 10). Dieser führt nach etwa 10 Gehminuten zum Tanzergraben, wo sich ein kleines Materl befindet.

 

Einst waren, so erzählte es Amberger ein ehemaliger Schüler, im Tanzergraben, wo heute nur noch Wald steht, saftige Wiesen und Felder und ein Gasthaus. In diesem feierte man einst Hochzeit. Schon gegen Abend kam „ein schönes, stolzes Mädchen“ zur Tür, das keiner der Gäste je gesehen hatte. Sie tanzte mit jedem Burschen, war aber mit jedem unzufrieden, da keiner „das schnelle Tempo anschlagen konnte, das sie verlangte“. Um Mitternacht betrat ein fremder, junger Jäger das Gasthaus und forderte das Mädchen zum Tanz. Es war ein schönes Paar, doch nun wurde es dem Mädchen zu schnell und es fasste den Jäger fester. „Da erfasste es ein Schrecken, denn es fühlte keine Knochen“. Sie wollte sich losreißen, doch der Jäger war mit einem Sprung mitsamt dem Mädchen durch das Fenster gesprungen. Es war der Teufel gewesen, der sich das stolze Mädchen holte.37

 

Einmal regnete es über viele Tage und die Wassermassen weichten den Boden im Tanzergraben auf. Da kamen neun Burschen ins Gasthaus und begannen so zu tanzen, dass das ganze Haus zitterte. Plötzlich gab es ein großes Gepolter. Das aufgeweichte Erdreich begann zu rutschen, „Bäume und Gesträuch wurden in einem wilden Tanze herumgeschleudert und rissen das Wirtshaus in die Tiefe“. Seitdem heißt der Graben Tanzergraben, und dort, wo einst das Gasthaus stand, steht heute ein kleines Materl.38

 

Günther Jannach (Jänner 2026)

 

Anmerkungen

 

1: Gemeint ist Ambergers Großmutter Kordula Amberger (1877 – 1960 [lib. bap. Althofen, VIII, 22. Oktober 1877]), geb. Dalska aus Untermarkt, da laut lib. bap. Althofen, IX, 12. August 1905 Ambergs Großeltern väterlicherseits bei ihrer Geburt bereits verstorben waren.
1a: Lebensdaten nach Gülles 1958, S. 740.
2: Graber 1935.
3: Ambergers Sagen (SAA), Sa 8.
4: Graber 1935, S. 443. Dür die Sagen in seinem ersten Sagenband hatte Graber noch laut Eigenangabe (Graber 1914, Vorwort, S. v) in „mehreren Jahren, anfänglich mehr dem Zufall folgend, bald aber planmäßig forschend, die Quellen kärntischer Volksüberlieferung an Ort und Stelle aufgesucht und auch gesammelt“.
5: NachGülles 1958, S. 737 legte Graber „seine Hochschulstudien (Germanistik, klassische Philologie und vergleichende Sprachwissenschaft) an der Alma mater in Graz zurück, wo er auch 1905 zum Doktor der Philosophie promovierte“. Er kam „1909 als Professor an die Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt in Klagenfurt, deren Direktor er 1920 wurde“, und erhielt von 1926 bis in den Zweiten Weltkrieg hinein „als Landesschulinspektor die Aufsicht über die Pflichtschulen und die Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten Kärntens“, so Gülles 1958, S. 737 f. weiter. Nach Lechner 2020, S. 657 übte Graber von „1905 bis 1940 den Beruf des Schulmanns aus“.
6: Braumüller 1942, S. 6 f.
7: Biermann 2017, S. 383.
8: Graber 1914, Vorwort, S. viii.
9: Graber 1914, Vorwort, S. viii.
10: Graber 1935, S. 324 und Graber 1944, S. 312.
11: Graber 1935, S. 168 f. und Graber 1944, S. 160.
12: Graber 1935, Vorwort, S. xv.
13: Ambergers Sagen (SAA) , Sa 1.
14: Ambergers Sagen (SAA) , Sa 1.
15: Graber 1935, S. 273.
16: Ambergers Sagen (SAA), Sa 1 f.
17: Ambergers Sagen (SAA), Sa 2.
18: Ambergers Sagen (SAA), Sa 2.
19: Ambergers Sagen (SAA), Sa 2 f.
20: Graber 1935, S. 79 f.
21: Laut lib. mort. Althofen, III, 31. Dezember 1725 starb „Fridericus Moser“ am 31. Dezember 1725 im Alter von 72 Jahren.
22: Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1673 u. 1684
23: Gaul 2004. S. 512 ff.
24: Ambergers Sagen (SAA), Sa 3.
25: Graber 1935, S. 324.
26: Glaser 2008, S. 98 f.
27: Zur Geschichte der Burg Alt-Pöckstein und deren Lokalisierung am Burgberg siehe Jannach 2025.
28: Gurker Annalen, S. 9, die Wattenbach 1874, S. 9 aufgrund des Schriftbildes „nicht viel später als 1183 […] geschrieben worden“ zu sein scheinen, berichten, dass Bischof Roman (1131 – 1167) „vier Burgen errichtet hat“; eine davon namens „Pockstain“.
29: Nach Hermann 1844, S. 63 f. dienten die „Trümmer“ der Burg „zum Bau des an seinem Fuße liegenden neuen Schlosses [Pöckstein]“.
30: Ambergers Sagen (SAA), Sa 3.
31: Ambergers Sagen (SAA), Sa 4.
32: Ambergers Sagen (SAA), Sa 4.
33: Ambergers Sagen (SAA), Sa33: 4 f..
34: Ambergers Sagen (SAA), Sa 5.
35: Ambergers Sagen (SAA), Sa 3 ff.
36: Graber 1935, S. 166 ff.
37: Ambergers Sagen (SAA), Sa 7.
38: Ambergers Sagen (SAA), Sa 7.

 

Quellen und Literatur

 

Ambergers Sagen (SAA) = Amberger, E.: Sagengut. In: Stadtarchiv Althofen: Mappe M.
Biermann 2017 = Biermann, G.: Zur Erinnerung an Dr. Georg Graber - Zwei kurze Texte und ein Kettenmärchen aus seinem Nachlass. In: Carinthia I, Klagenfurt 2017, S. 383 – 386.
Braumüller 1942 = Braumüller, H.: Dr. Georg Graber 60 Jahre. In: Carinthia I, Klagenfurt 1942, S. 5 – 6.
Gaul 2004 = Gaul, J.: Quellen zu Prozessen über Hexerei in Kärnten (1465 – 1782). In: Carinthia I, Klagenfurt 2004, S. 509 – 536.
Glaser 2008 = Glaser, F.: Die Antoniuskapelle des Johannes Dominicus Prunner. In: Mairitsch, M. / Glaser, F.: (Hg.): Die Strahlen von St. Egid – Festschrift der Stadthauptpfarre in Klagenfurt, Klagenfurt 2008, S. 97 – 117.
Graber 1914 = Graber, G. (Hg.): Sagen aus Kärnten, Graz 1914.
Graber 1935 = Graber, G. (Hg.): Sagen und Märchen aus Kärnten, Graz 1935.
Graber 1944 = Graber, G. (Hg.): Sagen und Märchen aus Kärnten, Graz 1935.
Gülles 1958 = Gülles, J.: Nachruf Georg Graber. In: Carinthia I, Klagenfurt 1958, S. 737 – 740.
Jannach 2025 = Jannach, G.: Der Burgberg in Althofen. In: Stadtarchiv Althofen (Hg.): Matucaium – Beiträge des Stadtarchivs Althofen zur Geschichte Althofens, Bd. 2, Althofen 2025, S. 31 – 40.
Gurker Annalen = Wattenbach, W. (Hg.): Chronicon Gurcense. In: Pertz, G. (Hg.): Monumenta Germaniae Historica: Scriptores, Bd. 23, Hannover (1874), S. 8 – 10.
Hermann 1844 = Hermann, H.: Text zu Joseph Wagner's Ansichten aus Kärnten, Klagenfurt 1844.
lib. bap. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Taufbuch, Althofen 1674 ff.
lib. mort. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Sterbbuch, Althofen 1643 ff.
Steuerregister v. Althofen (SAA) = Amberger, E.: Transkript Steuerregister Markt Althofen von 1538 – 1700 u. 1808 – 1817 (Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen, Steuerregister fasc. 17, Nr. 50; Steuerregister fasc. 15, Nr. 78). In: Stadtarchiv Althofen, Mappe 2, 3. u. 10.
Lechner 2020 = Lechner, E.: Volksschule und Volkskunde - Georg Graber (1882–1957) als führender Lehrer und Forscher, In: Carinthia I, S. 651 – 664.
Wattenbach 1874 = Wattenbach, W.: Einleitung zu Chronicon Gurcense. In: Pertz, G. (Hg.): Monumenta Germaniae Historica: Scriptores, Bd. 23, Hannover (1874), S. 8.

Annenturm von 1307

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Althofen, 12. April 2025